Zweierlei Maß

Zweierlei Maß

In der vergangenen Woche brachten die deutschen Medien einmal mehr eine Meldung, die das durch Juden  an den Palästinensern begangene Unrecht belegen sollte. Einige jüdische Familien waren in ein Haus in Hebron gezogen, das in der Nähe der Machpela liegt, der „Höhle der Doppelgräber“. Dort befinden sich die Grabstätten von Abraham, Isaak, Jacob, Sarah, Rebekka und Leah, herausragenden Personen der jüdischen Geschichte,  die deutschen Christen aus dem Alten Testament bekannt sein dürften. Da sie wie auch das in Frage stehende Wohngebäude in einem Gebiet liegen, das von Palästinensern bewohnt wird, passte die Meldung offenbar gut zu einer kurz zuvor verbreiteten Erklärung von Siegmar Gabriel, in der er die Zustände in Hebron mit dem Apartheid-Regime Südafrikas verglich.

Für alle, die „aus dem Bauch heraus“ eine starke Solidarität mit den Palästinensern empfinden, musste der Vorgang in Hebron eindeutig sein. Wieder einmal machten die Juden den Palästinensern ihren Lebensraum streitig! Was in den Meldungen allerdings verschwiegen wurde, war, dass das Wohnhaus den Juden von einem arabischen Eigentümer ganz legal verkauft worden war. Als dies bekannt wurde, wurde der Mann von den palästinensischen Behörden verhaftet und verhört. In der Vergangenheit ist schon häufiger vorgekommen, dass Palästinenser, die Grund und Boden an Juden verkauft hatten, mit Billigung der palästinensischen Führung und ohne Eingreifen ihrer Behörden von ihren „Landsleuten“ gelyncht wurden.

Auch die israelische Regierung war tätig geworden und hatte weitere jüdische Familien daran gehindert, in das Gebäude einzuziehen, bis die Rechtmäßigkeit des Eigentumswechsels geklärt werden konnte. Die Käufer der Immobilie konnten dies mit der Hilfe ihrer Anwälte alsbald nachweisen. Erst dann wurde allen Interessenten gestattet, ihre Wohnungen zu beziehen.

In pro-palästinensischen Kreisen geht man offenbar davon aus, dass kein Jude auf palästinensischem Territorium leben darf, selbst wenn er die Berechtigung dazu vollkommen legal besitzt. Auch solch legaler Immobilienerwerb und die anschließende Nutzung durch die rechtmäßigen Besitzer werden summarisch unter dem Thema „Siedlungspolitik“ eingeordnet. In anderen Zusammenhängen wurde und wird eine Haltung, wie sie die Palästinenser an den Tag legen, mit Recht als eine Politik der „ethnischen Säuberungen“ gekennzeichnet. Wenn es gegen Israel und die Juden geht, gelten augenscheinlich andere Maßstäbe.

 

 

About Thomas Gatter

writer, researcher, archivist, artist, activist, Jew living and working at Bremen, Nienburg, Playa del Inglés, Ruidoso, Lanciano www.thomasgatter.eu View all posts by Thomas Gatter

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