Author Archives: Thomas Gatter

About Thomas Gatter

writer, researcher, archivist, artist, activist, Jew living and working at Bremen, Nienburg, Playa del Inglés, Ruidoso, Lanciano www.thomasgatter.eu

Berlin monument to the Sinti and Roma of Europe murdered by the Nazis is endangered

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Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

© Rolf Krahl / CC BY 4.0 (via Wikimedia Commons)“

Deutsche Bahn (German Rail) plans to partially block or even relocate the “Memorial to the Sinti and Roma Victims of  National Socialism” in  Berlin’s  Tiergarten Park. According to the current plans of Deutsche Bahn AG, “one of the most important future projects of the Berlin railway network” (quote from German Rail statement) is to be built here near the Reichstag building: a new City-S-Bahn line as an additional north-south link for the main station. Not only Sinti and Roma, but also German Jews and other groups to whom the memory of Shoa and Porrajmos is important will resist.

On the web portal http://www.change.org, a petition is currently running as the first sign of a hopefully broadly supported protest against the railway plans that jeopardize the hard-won memorial inaugurated in 2012 (https://www.change.org/p/deutsche-bahn-ag-das-mahnmal-der-ermordeten-sinti-roma-bleibt) . The managers of Deutsche Bahn seem to have a short memory. When configuring the S-Bahn line, which is to divide after undercrossing the Spree river in order to bypass the Reichstag on the right and left, they simply overlooked the memorial on the south side of the Reichstag building. If their plans go through, the western S-Bahn line will run exactly across the location of the memorial. As one hears from discussions of the Memorial Foundation and the Central Council of German Sinti and Roma with German Rail representatives, the latter were very surprised that someone might be against simply dismantling the memorial and moving it elsewhere. They remembered even less the fact that the German railways benefited quite well from the deportations of the Sinti, Roma, Jews and other victims’ groups to the Nazi extermination camps. And that this might give rise to a historical responsibility for the railways today. For comparison only, the Dutch railway company has long since agreed to make reparations for complicity in Nazi deportations from the Netherlands.

The threat to the monument, which is an important place of remembrance for many victims’ relatives, cannot be treated as just a matter for the Gypsies. It concerns all those who care about the German culture of remembrance and the fight against forgetting as well as against the resurgent right-wing radicalism.


Despite Corona we remember: 75 years ago today, Buchenwald and Mittelbau-Dora were liberated.

On April 11, 1945, the Buchenwald concentration camp and the Mittelbau-Dora forced labor camp were liberated by prisoners and U.S. soldiers. Nearly 80 000 people had been murdered in these two Nazi death facilities  by means of torture, forced starvation and pseudo-medical experiments. Soviet prisoners of war were shot. The concentration camp was located in the immediate vicinity of the “Dichter- und Denkerstadt” Weimar. Buchenwald remains a symbol of the Nazi reign of terror brought forth by the nation of Goethe and Schiller. But Buchenwald is also remembered for the prisoners’ resistance, both secret and open, against the SS.

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11 April 1945, armed prisoners arresting SS men in the vicinity of the liberated camp. (Buchenwald and Mittelbau-Dora Memorials Foundation)


Exhibition at Nienburg, North Germany, City Hall on 26 January: The Yellow Star

Der gelbe Stern


Remember the liberation of Auschwitz

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Remembrance at Nienburg, North Germany

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CNN-Umfrage bestätigt Besorgnis über Antisemitismus in Europa

Eine vom amerikanischen Sender CNN in Auftrag gegebene Untersuchung in 7 Ländern gibt Aufschluss über die Verbreitung von Antisemitismus in Europa, mit erschreckenden Ergebnissen (September 2018, abgerufen von http://www.comresglobal.com/polls/cnn-anti-semitism-in-europe-poll-2018/). Demnach ist mehr als ein Viertel der Befragten der Meinung, dass Juden zu viel Einfluss haben, insbesondere in der Wirtschaft und Finanzwelt. Ebenfalls fast 25 % halten einen jüdischen Einfluss im Falle von Krisen und militärischen Auseinandersetzungen weltweit für entscheidend. Jeder fünfte Befragte ist der Meinung, der Einfluss von Juden auf die Medien und auf die Politik sei zu stark.

Von insgesamt 7 092 erwachsenen Befragten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Ungarn und Schweden halten 18 % die Juden für selbst schuld an ihrem schlechten Ruf: der Antisemitismus in ihren Ländern sei eine Reaktion auf ihr alltägliches Verhalten. Für 28 % ist der starke Antisemitismus in ihren Ländern eine Reaktion auf die Politik Israels. Da daraus zu folgern ist, dass der heutige Antisemitismus in den Ländern der Umfrage weitgehend von der Erfahrung des Holocaust abgekoppelt wird (den Staat Israel gibt es bekanntlich erst seit 1948), kann es kaum überraschen, dass 34 % der Befragten angeben, sie wüssten wenig oder gar nichts über den Holocaust. In Frankreich sind es sogar ein Fünftel, die zu Protokoll geben, noch nie vom Holocaust gehört zu haben. Andererseits vertritt ein Drittel der Befragten die Ansicht, Israel nutze die Shoah, um seine Politik zu legitimieren. Da kann es wenig beruhigen, dass 54 % Israel als jüdischem Staat dennoch ein Existenzrecht einräumen.

 

Dem mangelnden Wissensstand der Europäer über die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland entsprechen die Vorstellungen, die über die Bevölkerungszahl der Juden in der Welt verbreitet sind. Jeder siebte Proband äußert die Meinung, mehr als 20 % der Weltbevölkerung seien Juden. In Wirklichkeit sind es nach Schätzungen von Demografen maximal 0,3 %. Fast die Hälfte der Befragten glaubten, in ihrem jeweiligen Heimatland läge der jüdische Anteil zwischen 3 und 10 %. In Wirklichkeit haben alle Länder der Welt außer Israel jüdische Bevölkerungsanteile unter 2 %.

 

1939 bekannten sich weltweit 16,6 Millionen Menschen zum Judentum, etwa 9, 5 Millionen davon lebten in Europa. 1945 hatten Weltkrieg und Holocaust die jüdische Bevölkerung Europas auf 3,8 Millionen dezimiert. 1960 waren es noch 3,2 Millionen, 1991 2 Millionen (Sergio della Pergola, Universität Jerusalem). 2010 lebten nach Angaben des amerikanischen Pew Research Center nur noch ca. 1,5 Million Juden in Europa, mit weiter sinkender Tendenz. Das wäre bei rund 800 Millionen Europäern ein Bevölkerungsanteil von etwa 0,175 %.

 

Die Ergebnisse der CNN-Studie wirken wie ein aufschlussreiches Echo auf die Umfrage der Agentur der EU für Grundrechte aus dem Jahr 2013, in der 5 800 Juden über 16 Jahren in denjenigen europäischen Ländern befragt wurden, die zusammengenommen 90 % der europäischen Juden beheimaten und zu denen auch die jetzt beteiligten Länder gehören. Schon damals sahen 66 % der Juden selbst im Antisemitismus ein großes Problem ihrer Lebenswirklichkeit. 76 % befanden, dass der Antisemitismus in Europa anwachse. Fast 40 Prozent der europäischen Juden gaben an, dass sie immer oder häufig fürchteten, sich offen als jüdisch zu erkennen zu geben, darunter 60 % in Schweden, 51 % in Frankreich und 45 % in Belgien. In Deutschland waren 2013 die Juden sogar der Meinung, das Problem des Antisemitismus sei größer als Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsentwicklung. Von den deutschen Juden berichteten 2013 überdurchschnittlich viele über antisemitische Beleidigungen oder Belästigungen im davor liegenden Jahr; in allen Ländern zusammen waren das auch schon 21 %. 25 % der Befragten mieden jüdische Veranstaltungen einschließlich der Gottesdienste, weil sie sich dort bzw. auf dem Weg dorthin nicht sicher fühlten. 2 % der Befragten seien im Zeitraum 2012-2013 Opfer gewaltsamer Angriffe gewesen.

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Foto: Olevy [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, from Wikimedia Commons, 2014

Das schon erwähnte Pew Research Center schätzte 2012, dass Juden weltweit, gemessen an ihrer Bevölkerungszahl, das höchste Niveau an grenzüberschreitender Migration erreichten. Dies dürfte dann wohl vor allem auf den zu beobachtenden Exodus aus Europa zurückzuführen sein. Allein 2,7 Millionen europäischer Juden waren bis 2012 nach Israel ausgewandert, 370 000 in die USA, 140 000 nach Kanada. Die deutschen Jubelrufe über junge Israelis, die sich für Berlin als Wohnort entscheiden, werden angesichts solcher Zahlen wohl etwas zu relativieren sein.


100 Jahre Frauenwahlrecht 19. Januar 1919 – 19. Januar 2019

http://Anita-Augspurg-Theater.de


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