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Berlin monument to the Sinti and Roma of Europe murdered by the Nazis is endangered

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Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

© Rolf Krahl / CC BY 4.0 (via Wikimedia Commons)“

Deutsche Bahn (German Rail) plans to partially block or even relocate the “Memorial to the Sinti and Roma Victims of  National Socialism” in  Berlin’s  Tiergarten Park. According to the current plans of Deutsche Bahn AG, “one of the most important future projects of the Berlin railway network” (quote from German Rail statement) is to be built here near the Reichstag building: a new City-S-Bahn line as an additional north-south link for the main station. Not only Sinti and Roma, but also German Jews and other groups to whom the memory of Shoa and Porrajmos is important will resist.

On the web portal http://www.change.org, a petition is currently running as the first sign of a hopefully broadly supported protest against the railway plans that jeopardize the hard-won memorial inaugurated in 2012 (https://www.change.org/p/deutsche-bahn-ag-das-mahnmal-der-ermordeten-sinti-roma-bleibt) . The managers of Deutsche Bahn seem to have a short memory. When configuring the S-Bahn line, which is to divide after undercrossing the Spree river in order to bypass the Reichstag on the right and left, they simply overlooked the memorial on the south side of the Reichstag building. If their plans go through, the western S-Bahn line will run exactly across the location of the memorial. As one hears from discussions of the Memorial Foundation and the Central Council of German Sinti and Roma with German Rail representatives, the latter were very surprised that someone might be against simply dismantling the memorial and moving it elsewhere. They remembered even less the fact that the German railways benefited quite well from the deportations of the Sinti, Roma, Jews and other victims’ groups to the Nazi extermination camps. And that this might give rise to a historical responsibility for the railways today. For comparison only, the Dutch railway company has long since agreed to make reparations for complicity in Nazi deportations from the Netherlands.

The threat to the monument, which is an important place of remembrance for many victims’ relatives, cannot be treated as just a matter for the Gypsies. It concerns all those who care about the German culture of remembrance and the fight against forgetting as well as against the resurgent right-wing radicalism.


Racism is on the agenda

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Mass Deportations in Hanover

16.12.2016

 

 

Hanover, 16 December, 2015: German police are deporting Roma families. For many of these families, this isn’t a new experience. It happened to their grandparents, too.

 

Germany feels threatened by 900 000 immigrants, and the Federal State of Lower Saxony (Niedersachsen) deals a decisive blow to refugee immigration by deporting 14 000 (!) people, most of them Romani, to the “safe states” of the Western Balkans. The great majority of these innocent human beings, among them children, old age pensioners, some of them handicapped, have lived here for many years, going to school, leading normal lives, working.

I feel ashamed that the Greens are part and parcel of this inhuman act by being a partner of the Federal State government.


Resistance has many faces

Ansichtspostkarte aus Mazedonien, 1917

The powerful poem below entitled “Mr Government” I owe to Nathalie Richard and Danniel Bennett, Rromani Gypsies who campaign for equality and better access to services in the United Kingdom and in Europe as a whole (tweeted by Natalie Bennett @romanygipsylife).

The inspiring image above, of a strong Rromani family ready to let their voice be heard, is from my archives, published in Macedonia as a picture postcard in 1917.


Zukunft für die Roma!

Mail Attachment

Die Organisation ” Zukunft der Roma” appelliert an alle Roma- und nicht Roma-Organisationen, an alle deutschen unterstützenden  Organisationen sowie alle solidarischen Menschen in Deutschland zur Mithilfe beim gemeinsamen Widerstand gegen die inhumane Deportation der Roma in die so genannten sicheren Herkunftsländer, um diese Praxis zu verhindern. Die geplanten Transitzonen sind nichts als “weiche” KZs. Die meisten Roma-Familien, die dort vor ihrer Deportation inhaftiert werden sollen, sind die gleichen Familien, deren ältere Generationen in den NS-Lagern verschleppt und durch Zwangsarbeit oder nackte Gewalt ermordet wurden.
In den so genannten sicheren Herkunftsländern wird ihnen jegliche Zukunftsperspektive verweigert.

Ich appelliere an alle Roma- und Sinti-Organisationen, sich den Protestaktionen  und Gedenkveranstaltungen am 9.11. 2015 anzuschließen und damit zu zeigen, dass Roma keine Menschen zweiter Klasse sind wie zu Zeiten des NS Regimes. Erklärt euch solidarisch mit den Roma, die am kommenden Montag in Düsseldorf auf die Straße gehen, unabhängig von Interessen und Glaubensrichtung. Die Roma sind eine weltweite Minderheit, deren Kultur und Traditionen zu den ältesten der Welt gehören. Roma und Sinti sind keine Menschen zweiter Klasse, die beschimpft werden dürfen. Sinti, wacht endlich auf und zeigt eure Solidarität und euren Stolz für eine gemeinsame Zukunft auch in Deutschland.

Der Verband “Zukunft der Roma” veranstaltet am 9. 11. 2015 eine Demonstration in Düsseldorf mit Umzug zum Johannes Rauh Platz. (Nähe Landtag – bitte die Bannmeile beachten!). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich ab 15 Uhr am Hauptbahnhof. Flüchtlinge jeglicher Herkunft, die den Kampf um Zukunft unterstützen wollen, sind ebenfalls eingeladen. Der Demonstrationszug wird an dem Düsseldorfer Trauerort für die namenlosen und grablosen Opfer von Flucht weltweit Halt machen. Als symbolischen Akt werden die Roma dort die braunen Winkel niederlegen, mit denen Roma in der NS Zeit gekennzeichnet wurden: ein Akt der Trauer um die Toten, aber auch ein Akt der Befreiung von der Unterdrückung der Stigmatisierung. Rom heißt Mensch. Roma sind keine “Wirtschaftsflüchtlinge”! Wir sind alle Menschen – wir sind alle Roma!

Der Ministerpräsidentin und weiteren Politikern von Regierung und Parlament sollen Briefe mit den Forderungen der Roma übergeben werden. Sie enthalten die Forderung auf  ein Recht auf eine Bleibe und einen Winter ohne Elend und Not. Den Abschluss der Kundgebung bildet eine Lichterkette! Die Roma wollen an diesem denkwürdigen Tag der deutschen Geschichte in Düsseldorf ihren Widerstand gegen die ungerechte Behandlung mit dem Gedenken an die Schrecken des Porajmos (des “Verschlingens”) verbinden, des Genozids an Roma im “dritten Reich”. Sie wollen mit aller Kraft und ohne Angst gegen die Fortsetzung der Vergangenheit und das Ende der Zukunft für die kulturelle Gemeinschaft der Roma protestieren.

Erinnern verpflichtet zum Handeln. Erinnern verpflichtet zum Widerstand. Die Traumatisierung ist noch lange nicht überwunden. Roma werden stigmatisiert und pauschal kriminalisiert, zu Sozialschmarotzern degradiert und wieder in Lager gebracht und deportiert an Orte, die keine Heimat sind. Auf Roma wartet in den Balkanländern tödlicher Hass, Rassismus und Elend.

Alle Menschen sind dazu aufgerufen, dagegen aufzustehen, mutig Gesicht zu zeigen für die Rechte der Roma wie aller Geflüchteten: für das Recht auf Leben! Christen sollten an den Satz ihres Gottes denken: “Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan”. Es geht um die Würde jedes einzelnen von uns. Unser aller Würde ist die Würde der anderen, die wir respektieren, achten und schützen.

ORGANIZACIJA Zukunft der ROMA APELUJE NA SVE LJUDE KOJI SU ROMSKE NACIONALNOSTI DA DODJU I DOGOVORIMO SE OKO DEMONSTRACIJE KOJA CE SE ODRZATI 09.11.2015 U DUSSELDORFU…..CILJ NASEG IZLASKA JE TAJ DA STOPIRAMO EVAKUACIJU U TAKOZVANE PROGLASENE SIGURNE ZEMLJE….NASA SIGURNA ZEMLJA JE TA U KOJOJ BIRAMO DA ZIVIMO I U KOJOJ IMAMO MOGUCNOST DA RADIMO I SKOLUJEMO DECU……SAD SMO NI NA NEBU NI NA ZEMLJI JER STRAH KOJI SMO IMALI SVIH OVIH GODINA JE DOSAO DO KRAJNJE GRANICE LJUDSKE IZDRZLJIVOSTI…..DEPORTUJU NAS NAROD BEZ IKAKVOG OBAVESTENJA U MATICNE ZEMLJE IZ KOJIH DOLAZE ZNAJUCI DA IH TIME OSAKACUJU ZA PRAVO KOJE KAO I SVAKI DRUGI COVEK IMA ….. S POSTOVANJEM : ORGANIZACIJA ZUKUNFT der ROMA INFO U VEZI SKUPA : DIJANA :015 780 86 36 25 ORKAN: 0157 58337208 I U GRUPI Zukunft der ROMA

 

 


Der Tag, an dem die Roma Widerstand leisteten

Am 16. Mai sollten alle Rassisten sich vorsehen: es ist der Tag des Roma-Widerstandes, Roma Resistance Day.
Was geschah am 16. Mai 1944? Es war im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort gab es einen besonderen Abschnitt: Auschwitz-Birkenau B II e. Das „Zigeunerlager“ nannten es die Nazis.
Wie die Juden wurden auch die nach Auschwitz deportierten Sinti und Roma nicht alle gleich vergast. Die jüngsten, stärksten und gesündesten von ihnen wurden zur Seite geschickt und im Abschnitt B II e untergebracht. Auch Kinder und Frauen waren dabei, vor allem der KZ-Arzt Mengele, ein sadistischer Geisteskranker, interessierte sich für Kinder, an denen er seine widerwärtigen Experimente vornehmen konnte. Abschnitt B II e war deshalb ein gemischter Lagerbereich, ein so genanntes Familienlager. Dort wurden Männer, Frauen und Kinder zusammen gefangen gehalten. Sie wurden zur Sklavenarbeit gezwungen, gefoltert oder zu perversen, angeblich medizinischen Versuchen missbraucht. Viele von ihnen starben dabei.

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Im Mai 1944 hatte die SS vor, den Abschnitt B II e zu schließen und die dort noch lebenden Roma und Sinti in den Gaskammern von Birkenau zu ermorden. Im „Zigeunerlager“ lebten damals noch mehr als 6000 Gefangene. Am 16. Mai 1944 sollte das Lager „liquidiert“ werden, so nannten die Nazis die Schließung von Lagern und Ghettos und die Ermordung der Insassen.

Aber es gab in Auschwitz eine heimlich arbeitende Widerstandsgruppe. Sie erfuhr von den Plänen der SS und informierte am 15. Mai die Gefangenen von B II e darüber, was die Lagerleitung vorhatte. Aufgrund dieser Warnung verabredeten die Häftlinge über Nacht, sich am nächsten Tag gegen das Vorgehen der SS zu wehren. Am Morgen des 16. Mai weigerten sich alle, ihre Baracken zum Morgenappell zu verlassen. Sie missachteten die Drohungen der Wachmannschaften und gehorchten ihren Befehlen nicht mehr. Stattdessen verbarrikadierten sie sich in den Hütten. Einige waren in eine Gerätebaracke eingebrochen und hatten sich Werkzeug besorgt, das man als Waffe benutzen konnte: Hämmer, Picken und Spaten. Andere rissen die Kojen auseinander, um sich aus dem Holz Knüppel und Keulen zu machen. Viele der Kinder hatten Steine aufgesucht.

Als die SS in den Lagerabschnitt B II e vorrückte, erwartete sie ein Hagel von Steinen und anderen Gegenständen. Die Sinti und Roma weigerten sich, die schützenden Baracken zu verlassen. Sie wehrten die eindringenden Wachmannschaften ab. Einige erbeuteten Gewehre, mit denen sie auf die SS zu schießen begannen. Alle kämpften um ihr Leben und ihre Würde als Volk.
So etwas hatte es in Auschwitz bis dahin nicht gegeben. Die SS war regelrecht schockiert. Sie hatten keinen Widerstand erwartet. Die Offiziere fürchteten, der Aufstand könnte sich auf andere Teile von Auschwitz und Birkenau ausbreiten. Die SS zog sich zurück. An diesem Tag, dem Tag des Widerstandes, wurden kein Roma und kein Sinto vergast.
Die Nazis bestraften die Sinti und Roma mit dem Entzug der ohnehin kärglichen Nahrung. Am 23. Mai 1944 transportierten sie 1 500 arbeitsfähige Häftlinge ins Stammlager Auschwitz I und von dort die meisten ins KZ Buchenwald. Am 25. Mai 1944 wurden weitere 82 Roma ins KZ Flossenbürg abtransportiert, und 144 Romni ins Frauen-KZ Ravensbrück.
Weniger als 3000 Gefangene blieben im “Familienlager” B II e. Die meisten von ihnen waren Kinder. Am 2. August 1944 in der Nacht und am Morgen des 3. August wurden sie alle in der Gaskammer V von Birkenau ermordet. Diesmal war ihre Gegenwehr erfolglos, sie waren zu wenige und zu schwach. Der 2. August wird deshalb der Gedenktag des Roma-Holocaust genannt. Aber am 16. Mai gedenken wir des Roma Resistance Day, des Tages, an dem Roma und Sinti Widerstand leisteten.

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Let us remember 16 May

16 May is Romani Resistance Day. We, Rom, Sinti, Jews and Gadje/Gojim can make it a meaningful day, if we remember it together. To remember the Shoa/Porajmos may be an impulse to start a healing process leading to a society with less racism. To promote this, I am sharing the following text from Jenny Carol’s blog.

It seems that  genocide denial and racism are communicating vessels. An ethnic group whose genocide is denied continues to be targeted with racism. Conversely, the recognition of genocide can start a healing process in society that can help it overcome racism. The Romani Holocaust, called the “porajmos” (destruction) in Romanes, is a part of history that is not only forgotten today, it is even denied. It should not be.


We do not know much about this aspect of the Holocaust. Some forgotten parts of the Romani Holocaust really deserve commemoration, however. Romani people did not always play the role of passive victims during that era.
What happened on 16 May 1944? In the extermination camp of Auschwitz-Birkenau, section BIIe was called the “Gypsy Camp” (Zigeuner-Lager). Some of the Romani people transported into the hell of Auschwitz by the Nazis were not gassed immediately upon arrival, but were placed in the Zigeuner-Lager. BIIe was a “mixed” camp, which meant children, men and women were imprisoned there together. The Romani prisoners were forced into slave labor, observed and subjected to medical tests, and tortured. Auschwitz-“Doctor” Josef Mengele of the SS, a sadistic psychopath known as the “Angel of Death”, chose Romani individuals, most of them children, to subject them to perverse experiments. During the night of 2 August and the early morning of 3 August 1944, all of the remaining prisoners of the camp, without exception, were murdered in the gas chambers. Because of this well-known part of official history, 2 August is remembered as Romani Holocaust Day. But the Nazis had actually wanted to close BIIe and murder its Romani prisoners in the gas chambers earlier than that, on 16 May 1944. At the time there were more than 6 000 Romani prisoners there.

On 15 May 1944, the underground resistance movement in the camp warned the Roma of what the Nazis were planning. On the morning of 16 May, the Romani prisoners did not show up for the usual morning roll call and ceased cooperating with the SS guards. The Roma barricaded themselves into their shanties. They had broken into an equipment warehouse and armed themselves with hammers, pickaxes and shovels, taking apart the wooden sections of the bunks they slept on to make wooden stakes. The children collected rocks. When the SS guards entered the camp in the late afternoon to take the Roma to the gas chambers, they began to fight for their lives. The Roma fought to the death. Children, men, and women all fought. Auschwitz had never experienced anything like it before and would not experience it again. There were losses on both sides.


The SS were in shock because they had completely failed to anticipate this resistance. Concerned they might lose more men and that the uprising might spread to other parts of Auschwitz, they retreated from camp BIIe. No Roma died in the gas chambers that day. The Nazis subsequently put the prisoners of BIIe on a starvation diet. On 23 May 1944, they moved 1 500 of the strongest Romani prisoners to Auschwitz I, many of whom were then sent to Buchenwald concentration camp. On 25 May 1944, 82 Romani men were transported to the Flossenburg concentration camp and 144 young Romani women were sent to the Ravensbrück concentration camp. Less than 3 000 Romani prisoners remained in the family camp at BIIe, most of them children. On 2 August 1944, the Nazis gassed them all to death in gas chamber V, although the Roma fought back on that dark night as well.

You can find more information about 16 May 1944 and Romani resistance against the Holcoaust May 16 Romani Resistanceon the following websites:

http://2august.eu/the-roma-genocide/16-may-romani-resistence-day/

http://www.romareact.org/


Widerstand gegen erneute Verschärfung des Aufenthaltsrechts in Deutschland

Kein Mensch ist illegal!

 

 

 

 

 

Aufruf zur Demonstration auf dem Bahnhofsvorplatz Köln Mittwoch, 10.12.2014, 18:30 Uhr

Die Bundesregierung hat am 3. 12. 2014 einen neuen Gesetzentwurf für Menschen mit Duldung und Asylsuchende verabschiedet. Unter dem Deckmantel eines neuen Bleiberechts für Familien mit langer Duldung, eigenem Einkommen und erfolgreicher Integration werden gravierende Verschärfungen des Aufenthaltsrechts in Deutschland eingeführt:

  • Familien, die noch keine 6 Jahre hier sind (Einzelpersonen 8 Jahre) sollen schneller abgeschoben werden.
  • Mögliche Aufenthalts- und Einreiseverbote bei Straffälligkeit oder nach abgelehntem Asylantrag
  • mehr Einreisesperren nach Abschiebung ( bis zu 10 Jahre! )

Schon vor 8 Wochen wurde ein neues Gesetz verabschiedet, welches die Länder Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt. Das heißt, Einwanderer aus diesen drei Ländern, die jetzt einen neuen oder zweiten Asylantrag stellen, werden noch schneller abgelehnt und bekommen weniger Duldung, bis sie endgültig ausreisen müssen oder abgeschoben werden. Das Verwaltungsgericht Münster hat bereits Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes angemeldet. Am 11. und 12. Dezember treffen sich die Innenminister der Länder in Köln. Hinter verschlossenen Türen werden sie weitere Änderungen der Gesetze über Aufnahme, Verteilung, Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen besprechen. Die Initiative „kein mensch ist illegal“ organisiert eine Demonstration in Köln, bei der die Themen Menschenrechte für Flüchtlinge, Bleiberecht, und Abschiebestopp im Vordergrund stehen. Der Kölner Verein Rom e.V. gehört zu den Mitorganisatoren.

Die Demonstration findet am Mittwoch, 10.12. 2014, 18:30 Uhr, am Bahnhofsvorplatz Köln statt. Der 10. Dezember ist der internationale Tag der Menschenrechte. Sreda 10. Decembar 2014 (Dan ljudskih prava): 18:30 h – Demonstracija ispred Glavne Zeleznicke stanice u Kelnu!                

Wir fordern: Schutz für Roma vom Westbalkan und aus der EU – Keine Einreise- und Aufenthaltsverbote – Abschiebestopp in allen Bundesländern – Bleiberecht für Asylsuchende aus den Balkanländern – Menschenrechte für Flüchtlinge!


Kölner Roma-Verein für Integrationsarbeit geehrt

Preisverleihung auch an Rom e.V. bei Aydan Özoğuz     Preisverleihung auch an Rom e.V. bei Aydan Özoğuz, 12. November 2014.

 

 

 

 

 

 

Am 12. November nahm Simone Treis, Vorsitzende des Kölner Vereins Rom e.V., die diesjährige Integrationsmedaille der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoguz, für den Verein in Empfang. Zur Festveranstaltung im Bundeskanzleramt waren sechs Mitglieder angereist. Der Verein erhielt die Auszeichnung in Anerkennung seiner besonderen Leistungen für die gesellschaftliche Teilhabe der Roma. Das Vereinsprojekt Amaro Kher eröffnet seit Jahren Roma-Flüchtlingskindern Chancen einer geregelten Schulausbildung, die sie sonst nicht hätten. Der Kölner Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der den Rom e.V. als Preisträger vorgeschlagen hatte, wies auf die systematische Bildungsbenachteiligung  von Roma-Kindern in vielen Ländern, auch in Deutschland hin. Diese Ausgrenzung werde von Amaro Kher durchbrochen. Die Förderung eröffne den Kindern und ihren Eltern einen anderen Weg als den, den die Mehrheitsgesellschaften immer noch für sie bereithalte, nämlich den ins soziale Abseits. Stattdessen erwerben die Kinder mithilfe von Amaro Kher größere schulische Kompetenz. Sie macht es ihnen und ihren Familien leichter, der sozialen und rassistischen Ausgrenzung entgegenzutreten. So gestärkt, haben die Kinder die Chance, in Regelschulen zu wechseln.

Nicht nur die Roma in Deutschland, sondern auch alle ihnen solidarischen Gadschen freuen sich über diese Auszeichnung. Sie erkennt nicht nur die Arbeit des Vereins an, sondern ist ein Zeichen des Respekts dafür, dass Romafamilien im Projekt Amaro Kher ihre Potentiale sichtbar machen und entwickeln. Die Diskriminierung von Roma, die in den letzten Monaten wieder groteske und gefährliche Züge angenommen hat, pflegt unter anderem das Vorurteil, diese Menschen seien uninteressiert an oder gar unfähig zur Bildung. Bestenfalls werden ihnen folkloristisch-musikalische Fähigkeiten zugestanden. Die Erfahrungen des Rom e.V. verweisen auf eine ganz andere Wirklichkeit. Wenn den Roma der Zugang zur schulischen Ausbildung nicht länger mit der Gewalt der Ressentiments und der sozialen Ausgrenzung versperrt wird, zeigen sich deren umfassende Möglichkeiten, Fertigkeiten und Entwicklungspotentiale genauso wie bei jeder anderen Gruppe. Damit diese eigentlich selbstverständliche Erkenntnis nicht immer wieder neu unter Beweis gestellt werden muss, tritt der Rom e.V. dafür ein, dass im Rahmen der Inklusion an allen Regelschulen auch die besondere Unterstützung von Flüchtlingskindern Programm wird. Im Rahmen eines neuen dezentralen Schulprojekts des Rom e.V. – Amen Ustha – hat das an einigen Schulen im vergangenen August bereits begonnen.


Sinti und Roma in Europa/Deutschland: wie lange Krieg?

In den Neunziger-Jahren wurde mit dem so genannten Asylkompromiss das Grundrecht auf Asyl in Deutschland faktisch abgeschafft. Damals nahm man die zunehmenden Asylanträge von Roma aus dem Kosovo zum Vorwand. Auf Bundes- und Europaebene wurden seither eine ganze Reihe von Restriktionen eingeführt. Dessen ungeachtet, hat die Europäische Kommission in ihren Berichten und Mitteilungen immer wieder auf die fortdauernde Diskriminierung der Roma in Europa hingewiesen. Soll das nur von dem kalten Krieg ablenken, der gegen Roma in den EU-Mitgliedsländern geführt wird, auch gegen Sinti in Deutschland?

Bundesinnenminister Friedrich unterstellt Menschen aus Serbien oder Mazedonien kollektiven Asylmissbrauch. Dabei verschweigt er ebenso wie andere Bundespolitiker (auch von der SPD), dass die Roma in den Balkanländern systematisch am Zugang zu den vier Kernbereichen des Bürgerrechts, Bildung, Ausbildung, Arbeit und Gesundheit, gehindert werden. Auch menschenwürdige Wohnungen stehen ihnen kaum zur Verfügung, vielmehr werden sie durch gesellschaftliche Ausgrenzung und staatliche Maßnahmen in die Slums gedrängt. Dort wiederum fallen sie regelmäßig behördlichen Zwangsräumungen zum Opfer, ein veritabler Teufelskreis von Köpenickscher Qualität.

Organisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International oder Pro Asyl oder die Flüchtlingsräte in deutschen Bundesländern und Großstädten prangern aber nicht nur anhaltende Benachteiligung und Menschenrechtsverletzungen gegenüber den verschiedenen Roma-Volksgruppen auf dem Balkan an, sondern auch in westlichen EU-Ländern und gegenüber den deutschen Sinti. Strukturelle Diskriminierung und weitestgehender Ausschluss von sozialer und wirtschaftlicher Teilhabe, politischen Rechten und vor allem Bildung und Berufsausbildung sind auch hierzulande feste Bestandteile der Realität, in der die Sinti leben.

Das Ausmaß der historischen Kontinuität des Antiziganismus ist erschreckend, während dessen die Lippenbekenntnisse offizieller Repräsentanten der Bundesrepublik durch die menschenleeren Flure der Solidargemeinschaft hallen. Fast genau 70 Jahre nach dem Auschwitz-Erlass Heinrich Himmlers, der die endgültige Vernichtung der bis dahin noch überlebenden Sinti und Roma einläutete, wurde in Anwesenheit von Bundespräsident Gauck und  Bundeskanzlerin Merkel das zentrale Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin eingeweiht. Den Kontrapunkt lieferte der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen, der sich wenige Tage später in seinem Bericht über Deutschland angesichts der fortdauernden Diskriminierung der Sinti und Roma in Bezug auf die existenziellen Lebensbedürfnisse besorgt äußerte.

Wie lange wird die antiziganistische Kampagne von europäisch/deutschen Dimensionen noch weiter gehen? Und wie weit wird sie gehen? Schon kommt es in den osteuropäischen Ländern zu gewalttätigen Angriffen gegen die Roma, die an Pogrome erinnern. Aus Frankreich und Belgien werden (noch) vereinzelte Aufrufe zum Rassenhass und zur Ermordung von Roma gemeldet. Wann setzt diese Entwicklung auch gegen die Sinti in Deutschland ein?

Anlässlich der Einweihung des zentralen Mahnmals in Berlin wies Dieter Graumann für den Zentralrat der Juden in Deutschland darauf hin, wie nahe sich Juden und Sinti stehen, seit sie als Opfer des Holocaust eine Schicksalsgemeinschaft bilden. Shoah und Porrajmos sind zwei Seiten der gleichen schlechten Münze. Juden und Sinti in Deutschland müssen sich solidarisieren. Und vor allem die Sinti sollten stärker als bisher diejenigen Möglichkeiten zur politischen Partizipation und gesellschaftlichen Teilhabe, die bereits bestehen, nutzen und ihre Rechte aktiv einfordern und verteidigen. Auch die Frage der Einigkeit unter den verschiedenen Gruppen von Sinti, ebenso die Frage der Einigkeit mit Jenischen und anderen Randgruppen muss neu formuliert werden, um Spaltungen zu beseitigen und an Stärke zuzulegen. Einigkeit in der Abwehr des Antiziganismus heißt nicht Aufgabe der Identität – sie ist lediglich eine Frage des solidarischen Handelns.


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