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European Roma organisations call for Roma inclusion and joint fight against antigypsyism 

Brussels, 6 December 2018: Today, a coalition of more than fifteen Romani and anti-racism civil society organisations from across Europe called for the Council of the European Union, and governments of European countries, to make a clear commitment to the new proposals for post-2020 Roma inclusion plans made by the European Commission in its communication to the European Parliament and Council yesterday.

Director of ERGO Network Ms Gabriela Hrabanova welcomed the new Communication: “The Commission and Parliament have clearly positioned themselves for a continued investment in Roma Inclusion after 2020. Now is the time for national governments to do the same, to strengthen their fight against antigypsyism and to update and improve their strategies in line with community needs by working alongside Romani civil society.”

The new communication from the Commission highlighted key elements to improve the EU Roma Framework including: the need for inclusion of Roma in mainstream policies, fighting antigypsyism, improving Roma participation, addressing the diversity amongst Roma, and better data collection, target indicators and reporting in integration strategies.

“Until now, Roma Inclusion plans in EU member states and accession countries have failed to include measures to fight antigypsyism, and have largely failed to significantly improve the situation for Roma across Europe” said Ðorđe Jovanović, President of the European Roma Rights Centre. “The EU Framework for National Roma Integration Strategies after 2020 must serve to counter the effects of the specific structural racism which affects Romani populations throughout Europe.”

The organisations explicitly call for measures in European countries to recognize present and historical antigypsyism as a form of racism; counter and sanction manifestations of antigypsyism in public discourses, public services and institutions; empower civil society, and ensure that the necessary legal and institutional mechanisms are in place and implemented to prosecute hate crimes and hate speech. It is time for European governments to give priority to “reinforcing and distinguishing the focus on antigypsyism as a root cause of Roma exclusion” as concluded by the EU High Level Group on Combatting Racism, Xenophobia and Other Forms of Intolerance in their guidance paper on antigypsyism.

European institutions have to make sure that the next EU budget cycle (Multiannual Financial Framework 2021-2027), which is currently under negotiation, is connected to policy priorities of the EU Roma Framework including the fight against antigypsyism. In addition, partnership agreements with Member States and operational programs must explicitly name Roma as an investment priority. The next cycle of funding must ensure that funds are also available for specific measures to fight antigypsyism, and to allow the efficient operation of civil society organisations to hold governments accountable and to ensure fundamental rights of Romani citizens across Europe.

For more information, or to arrange an interview contact:

Jamen Gabriela Hrabanova
Executive Director
ERGO Network
info@ergonetwork.org
+32(0)2 893 10 49

The coalition of organisations includes:

Alliance against Antigypsyism
Central Council of German Sinti & Roma
European Network against Racism
European Public Health Alliance
European Roma Grassroots Organisations Network
European Roma Rights Centre
FAGiC Federación de Asociaciones Gitanas de Cataluña
Jaw Dikh Foundation
La Voix de Roms
Nakeramos
Nevo Parudimos
Roma Active Albania
Romanipe
Roma Education Fund
RROMA Regional Roma Educational Youth Association (Macedonia)


CNN-Umfrage bestätigt Besorgnis über Antisemitismus in Europa

Eine vom amerikanischen Sender CNN in Auftrag gegebene Untersuchung in 7 Ländern gibt Aufschluss über die Verbreitung von Antisemitismus in Europa, mit erschreckenden Ergebnissen (September 2018, abgerufen von http://www.comresglobal.com/polls/cnn-anti-semitism-in-europe-poll-2018/). Demnach ist mehr als ein Viertel der Befragten der Meinung, dass Juden zu viel Einfluss haben, insbesondere in der Wirtschaft und Finanzwelt. Ebenfalls fast 25 % halten einen jüdischen Einfluss im Falle von Krisen und militärischen Auseinandersetzungen weltweit für entscheidend. Jeder fünfte Befragte ist der Meinung, der Einfluss von Juden auf die Medien und auf die Politik sei zu stark.

Von insgesamt 7 092 erwachsenen Befragten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Ungarn und Schweden halten 18 % die Juden für selbst schuld an ihrem schlechten Ruf: der Antisemitismus in ihren Ländern sei eine Reaktion auf ihr alltägliches Verhalten. Für 28 % ist der starke Antisemitismus in ihren Ländern eine Reaktion auf die Politik Israels. Da daraus zu folgern ist, dass der heutige Antisemitismus in den Ländern der Umfrage weitgehend von der Erfahrung des Holocaust abgekoppelt wird (den Staat Israel gibt es bekanntlich erst seit 1948), kann es kaum überraschen, dass 34 % der Befragten angeben, sie wüssten wenig oder gar nichts über den Holocaust. In Frankreich sind es sogar ein Fünftel, die zu Protokoll geben, noch nie vom Holocaust gehört zu haben. Andererseits vertritt ein Drittel der Befragten die Ansicht, Israel nutze die Shoah, um seine Politik zu legitimieren. Da kann es wenig beruhigen, dass 54 % Israel als jüdischem Staat dennoch ein Existenzrecht einräumen.

 

Dem mangelnden Wissensstand der Europäer über die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland entsprechen die Vorstellungen, die über die Bevölkerungszahl der Juden in der Welt verbreitet sind. Jeder siebte Proband äußert die Meinung, mehr als 20 % der Weltbevölkerung seien Juden. In Wirklichkeit sind es nach Schätzungen von Demografen maximal 0,3 %. Fast die Hälfte der Befragten glaubten, in ihrem jeweiligen Heimatland läge der jüdische Anteil zwischen 3 und 10 %. In Wirklichkeit haben alle Länder der Welt außer Israel jüdische Bevölkerungsanteile unter 2 %.

 

1939 bekannten sich weltweit 16,6 Millionen Menschen zum Judentum, etwa 9, 5 Millionen davon lebten in Europa. 1945 hatten Weltkrieg und Holocaust die jüdische Bevölkerung Europas auf 3,8 Millionen dezimiert. 1960 waren es noch 3,2 Millionen, 1991 2 Millionen (Sergio della Pergola, Universität Jerusalem). 2010 lebten nach Angaben des amerikanischen Pew Research Center nur noch ca. 1,5 Million Juden in Europa, mit weiter sinkender Tendenz. Das wäre bei rund 800 Millionen Europäern ein Bevölkerungsanteil von etwa 0,175 %.

 

Die Ergebnisse der CNN-Studie wirken wie ein aufschlussreiches Echo auf die Umfrage der Agentur der EU für Grundrechte aus dem Jahr 2013, in der 5 800 Juden über 16 Jahren in denjenigen europäischen Ländern befragt wurden, die zusammengenommen 90 % der europäischen Juden beheimaten und zu denen auch die jetzt beteiligten Länder gehören. Schon damals sahen 66 % der Juden selbst im Antisemitismus ein großes Problem ihrer Lebenswirklichkeit. 76 % befanden, dass der Antisemitismus in Europa anwachse. Fast 40 Prozent der europäischen Juden gaben an, dass sie immer oder häufig fürchteten, sich offen als jüdisch zu erkennen zu geben, darunter 60 % in Schweden, 51 % in Frankreich und 45 % in Belgien. In Deutschland waren 2013 die Juden sogar der Meinung, das Problem des Antisemitismus sei größer als Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsentwicklung. Von den deutschen Juden berichteten 2013 überdurchschnittlich viele über antisemitische Beleidigungen oder Belästigungen im davor liegenden Jahr; in allen Ländern zusammen waren das auch schon 21 %. 25 % der Befragten mieden jüdische Veranstaltungen einschließlich der Gottesdienste, weil sie sich dort bzw. auf dem Weg dorthin nicht sicher fühlten. 2 % der Befragten seien im Zeitraum 2012-2013 Opfer gewaltsamer Angriffe gewesen.

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Foto: Olevy [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, from Wikimedia Commons, 2014

Das schon erwähnte Pew Research Center schätzte 2012, dass Juden weltweit, gemessen an ihrer Bevölkerungszahl, das höchste Niveau an grenzüberschreitender Migration erreichten. Dies dürfte dann wohl vor allem auf den zu beobachtenden Exodus aus Europa zurückzuführen sein. Allein 2,7 Millionen europäischer Juden waren bis 2012 nach Israel ausgewandert, 370 000 in die USA, 140 000 nach Kanada. Die deutschen Jubelrufe über junge Israelis, die sich für Berlin als Wohnort entscheiden, werden angesichts solcher Zahlen wohl etwas zu relativieren sein.


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