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CNN-Umfrage bestätigt Besorgnis über Antisemitismus in Europa

Eine vom amerikanischen Sender CNN in Auftrag gegebene Untersuchung in 7 Ländern gibt Aufschluss über die Verbreitung von Antisemitismus in Europa, mit erschreckenden Ergebnissen (September 2018, abgerufen von http://www.comresglobal.com/polls/cnn-anti-semitism-in-europe-poll-2018/). Demnach ist mehr als ein Viertel der Befragten der Meinung, dass Juden zu viel Einfluss haben, insbesondere in der Wirtschaft und Finanzwelt. Ebenfalls fast 25 % halten einen jüdischen Einfluss im Falle von Krisen und militärischen Auseinandersetzungen weltweit für entscheidend. Jeder fünfte Befragte ist der Meinung, der Einfluss von Juden auf die Medien und auf die Politik sei zu stark.

Von insgesamt 7 092 erwachsenen Befragten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Ungarn und Schweden halten 18 % die Juden für selbst schuld an ihrem schlechten Ruf: der Antisemitismus in ihren Ländern sei eine Reaktion auf ihr alltägliches Verhalten. Für 28 % ist der starke Antisemitismus in ihren Ländern eine Reaktion auf die Politik Israels. Da daraus zu folgern ist, dass der heutige Antisemitismus in den Ländern der Umfrage weitgehend von der Erfahrung des Holocaust abgekoppelt wird (den Staat Israel gibt es bekanntlich erst seit 1948), kann es kaum überraschen, dass 34 % der Befragten angeben, sie wüssten wenig oder gar nichts über den Holocaust. In Frankreich sind es sogar ein Fünftel, die zu Protokoll geben, noch nie vom Holocaust gehört zu haben. Andererseits vertritt ein Drittel der Befragten die Ansicht, Israel nutze die Shoah, um seine Politik zu legitimieren. Da kann es wenig beruhigen, dass 54 % Israel als jüdischem Staat dennoch ein Existenzrecht einräumen.

 

Dem mangelnden Wissensstand der Europäer über die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland entsprechen die Vorstellungen, die über die Bevölkerungszahl der Juden in der Welt verbreitet sind. Jeder siebte Proband äußert die Meinung, mehr als 20 % der Weltbevölkerung seien Juden. In Wirklichkeit sind es nach Schätzungen von Demografen maximal 0,3 %. Fast die Hälfte der Befragten glaubten, in ihrem jeweiligen Heimatland läge der jüdische Anteil zwischen 3 und 10 %. In Wirklichkeit haben alle Länder der Welt außer Israel jüdische Bevölkerungsanteile unter 2 %.

 

1939 bekannten sich weltweit 16,6 Millionen Menschen zum Judentum, etwa 9, 5 Millionen davon lebten in Europa. 1945 hatten Weltkrieg und Holocaust die jüdische Bevölkerung Europas auf 3,8 Millionen dezimiert. 1960 waren es noch 3,2 Millionen, 1991 2 Millionen (Sergio della Pergola, Universität Jerusalem). 2010 lebten nach Angaben des amerikanischen Pew Research Center nur noch ca. 1,5 Million Juden in Europa, mit weiter sinkender Tendenz. Das wäre bei rund 800 Millionen Europäern ein Bevölkerungsanteil von etwa 0,175 %.

 

Die Ergebnisse der CNN-Studie wirken wie ein aufschlussreiches Echo auf die Umfrage der Agentur der EU für Grundrechte aus dem Jahr 2013, in der 5 800 Juden über 16 Jahren in denjenigen europäischen Ländern befragt wurden, die zusammengenommen 90 % der europäischen Juden beheimaten und zu denen auch die jetzt beteiligten Länder gehören. Schon damals sahen 66 % der Juden selbst im Antisemitismus ein großes Problem ihrer Lebenswirklichkeit. 76 % befanden, dass der Antisemitismus in Europa anwachse. Fast 40 Prozent der europäischen Juden gaben an, dass sie immer oder häufig fürchteten, sich offen als jüdisch zu erkennen zu geben, darunter 60 % in Schweden, 51 % in Frankreich und 45 % in Belgien. In Deutschland waren 2013 die Juden sogar der Meinung, das Problem des Antisemitismus sei größer als Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsentwicklung. Von den deutschen Juden berichteten 2013 überdurchschnittlich viele über antisemitische Beleidigungen oder Belästigungen im davor liegenden Jahr; in allen Ländern zusammen waren das auch schon 21 %. 25 % der Befragten mieden jüdische Veranstaltungen einschließlich der Gottesdienste, weil sie sich dort bzw. auf dem Weg dorthin nicht sicher fühlten. 2 % der Befragten seien im Zeitraum 2012-2013 Opfer gewaltsamer Angriffe gewesen.

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Foto: Olevy [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, from Wikimedia Commons, 2014

Das schon erwähnte Pew Research Center schätzte 2012, dass Juden weltweit, gemessen an ihrer Bevölkerungszahl, das höchste Niveau an grenzüberschreitender Migration erreichten. Dies dürfte dann wohl vor allem auf den zu beobachtenden Exodus aus Europa zurückzuführen sein. Allein 2,7 Millionen europäischer Juden waren bis 2012 nach Israel ausgewandert, 370 000 in die USA, 140 000 nach Kanada. Die deutschen Jubelrufe über junge Israelis, die sich für Berlin als Wohnort entscheiden, werden angesichts solcher Zahlen wohl etwas zu relativieren sein.


Westliche Medien üben subtile Verzerrung der Fakten in Israel

Dass westliche Medien, allen voran Deutschlandfunk und Süddeutsche, die Fakten in Israel zugunsten der islamistischen Hamas und der Fatah verzerren, ist an der Tagesordnung. Beispiele, die diese Beobachtung bestätigen, liefern die Reaktionen auf das jüngste Attentat in der Jerusalemer Synagoge Kehilat Bnei Torah. Vier Menschen, darunter drei amerikanische Staatsbürger, waren bei dem Angriff zweier palästinensischer Terroristen getötet worden, ein weiteres Opfer erlag seinen Verletzungen.

Der Guardian änderte den Titel einer Reuters-Meldung – ursprünglicher Wortlaut: „Palästinenser töten beim Überfall auf Jerusalemer Synagoge vier Menschen“ – zu: „Vier Gläubige bei Angriff auf Jerusalemer Synagoge getötet“. Beide Publikationen erschienen, bevor das fünfte Opfer, ein Polizist der Volksgruppe der Drusen, starb. Auch aus dem Text der Reuters-Meldung entfernte der Guardian jeden Hinweis darauf, dass die Täter Palästinenser waren. Die gleiche Methode, die Täter zu verheimlichen, wendete die New York Times an, deren Schlagzeile lautete: “Vier Menschen im Bereich einer Jerusalemer Synagoge getötet”.

Die kanadische CBC blendete sogar das Attentat aus der Meldung aus und warf Zweifel auf ihren Wahrheitsgehalt. In einer Nachricht dort hieß es: „Jerusalemer Polizei erschießt zwei Personen offenbar nach Synagogenattacke“. Die Formulierung deutet auch an, dass die israelische Polizei gehandelt habe, ohne die Sachlage zu überprüfen. Einen merkwürdigen Lapsus leistete sich die CNN mit ihrer Nachricht „Tödlicher Überfall auf Jerusalemer Moschee“. Solche „Versprecher“ deuten darauf hin, dass Meldungen aus Israel inzwischen automatisch und möglicherweise den Autoren unbewusst bei der Wiedergabe den Filter des palästinensischen Narrativs durchlaufen, argumentiert Eric Rozeman von der amerikanischen Medienwatch-Organisation CAMERA (Committee for Accuracy in Middle East Reporting, zitiert nach Jewish News Service JNS.org).*

Die subtile Verzerrung der Fakten in Israel macht seit einiger Zeit Schule. Als im Oktober ein Palästinenser mit seinem Fahrzeug einen Anschlag auf Fußgänger verübte (und das ist keineswegs ein Einzelfall) und von der Polizei erschossen wurde, meldete Associated Press: „Israelische Polizei erschießt Mann in Ostjerusalem“, ohne jeden Hinweis auf die terroristische Tat, die dem Verhalten der Polizei zugrunde lag. Die fälschliche Lokalisierung der Synagoge in Ostjerusalem vermittelt zudem den Eindruck eines Übergriffes der Sicherheitskräfte im muslimischen Teil Jerusalems. Später änderte AP die Schlagzeile. Weitere Beispiele finden sich in den CAMERA-Schnappschüssen, siehe *http://blog.camera.org/.

Masked Palestinians hold axes and a gun as they celebrate with others an attack on a Jerusalem synagogue, in Rafah in the southern Gaza Strip

 

 

 

Palästinenser feierten den Mord in der Synagoge ausgelassen. Auf dem Poster im Hintergrund die Fotos der Täter, Uday und Rassan Abu Jamal.

Palestinian woman scatters sweets as she celebrates with others an attack on a Jerusalem synagogue, in Rafah in the southern Gaza Strip

 

 


Sisyphusarbeit

Wolfgang Mattheuer Sisyphos behaut den Stein, 1973, Holzschnitt

 

 

 

Wolfgang Mattheuer: Sisyphos behaut den Stein, Holzschnitt (1973).

 

 

 

 

Die Sichtweise, mit der die alternative Öffentlichkeit in Deutschland, die doch den Anspruch hat, kritisch zu sein, auf den Gaza-Konflikt blickt, ist – gelinde gesagt – einseitig. Dagegen anzugehen, scheint mehr und mehr zur Sisyphusarbeit zu werden.

Konfrontiert mit den als Fakten vermarkteten Bildern und Zahlen über die Opfer der von Hamas heraufbeschworenen und von Israel prompt überzogenen Konfrontation, lässt das links-grün-alternative Spektrum jeglichen kritischen Denkansatz fahren. Dabei war vieles, was Hamas als Beleg für das Wüten des jüdischen Aggressors präsentierte, so fadenscheinig wie ein alter Lappen. So mussten unter anderem Fotos von syrischen Bürgerkriegstoten als Opfer der israelischen Angriffe auf Gaza herhalten. Auch Bilder der (jüdischen!) Familie Fogel, die 2011 einem palästinensischen Mordanschlag zum Opfer fiel, wurden als Dokumentationen von Gaza-Kriegsopfern recycelt. Immer wieder wurden die gleichen Video-Aufnahmen der Notaufnahme des Shifa-Krankenhauses im Fernsehen abgespult, so als seien jedes Mal neue grausige Resultate des israelischen Überfalls auf die friedfertigen Palästinenser aufgenommen worden. Darunter auch Patienten, die wegen akuter Erkrankungen, Unfällen oder häuslicher Gewalt eingeliefert worden waren. Sie alle wurden so kurzerhand zu Leidtragenden der jüdischen Barbarei.

Was besonders wundert, ist die gutgläubig-naïve Rezeption der von Hamas präsentierten Opferzahlen durch ein Publikum, das ansonsten reflexartig alles hinterfragt, was durch die Medien verbreitet wird. Die Meldungen von Dr. Ashraf al-Kudra, des Sprechers des Gesundheitsministeriums von Gaza, genossen offenbar uneingeschränktes und spontanes Vertrauen, egal was er verkündete. Seine von Zahlen untermauerten Anschuldigungen gipfelten in dem Vorwurf, Israel ziele absichtlich auf die Zivilbevölkerung und habe es insbesondere auf Alte, Frauen und Kinder abgesehen. Solche Anklagen fanden und finden reiche Resonanz in der meinungsführenden Presse, wie man mehreren Artikeln in der jüngsten Ausgabe der ZEIT entnehmen kann.

Dem gegenüber analysiert die New York Times: die „Bevölkerungsgruppe, die am ehesten die Kombattanten umfasst, männlich und zwischen 20 und 29, ist unter den Toten am stärksten betroffen. Obwohl sie nur 9 % der 1,7 Millionen Einwohner des Gaza-Streifens ausmachen, ist ihr Anteil an den Getöteten, deren Alter angegeben wurde, 34 %. […] Zugleich sind Frauen und Kinder unter 15, die auf keinen Fall legitime Ziele sein dürften, unter den Toten am stärksten unterrepräsentiert, denn sie stellen 71 % der Bevölkerung, jedoch nur 33 % der Opfer mit Altersangabe.“

Auch die BBC untersucht Hamas’ Angaben über die Kriegstoten und kommt zu dem Schluss, Vorsicht sei angesichts der Zahlenangaben vonnöten (“Caution needed with Gaza casualty figures”, BBC-online 11. August). Den britischen Kommentatoren war ebenfalls die unverhältnismäßig hohe Zahl der Männer zwischen 20 und 41 unter den angeblich zivilen Kriegsopfern aufgefallen. Der Bericht schließt mit der Einschätzung, man wisse noch nicht sicher, wie viele der Toten in Gaza Zivilisten und wie viele Kämpfer gewesen seien. Die Rückschlüsse aus den von Hamas verbreiteten Zahlenangaben seien aber jedenfalls verfrüht gewesen. (Quellen: Algemeiner, Sarah Honig’s Blog, Israel Today)

 


Altersstarrsinn oder überlegtes politisches Handeln?

Man muss sich überlegen, was hinter den Aktionen von Günter Grass steckt. Abgesehen einmal von seinem Antisemitismus und der Dreistigkeit, die Diskussion darüber mit dem Versuch zu krönen, den Staat Israel als Gegner der Meinungsfreiheit zu brandmarken, ist sein Verhältnis zum Iran einen zweiten Blick wert. Er verniedlicht Ahmadinedschad als bloßen Aufschneider, als „Maulhelden“, als jemand also, der nur bellt, aber nicht beißt. Hallo? Das ist der Regierungschef eines Landes, in dem nicht nur gedroht, sondern täglich im Auftrag des Regimes vergewaltigt, gefoltert und getötet wird. Ahmadinedschads Büttel fahren mit Polizeijeeps Demonstranten zu Tode, prügeln auf offener Straße junge Frauen, weil sie Lippenstift benutzen, erhängen jugendliche Pärchen, die es gewagt haben sich zu küssen, vergewaltigen in den Haftanstalten weibliche und männliche Häftlinge, bespitzeln Journalisten, Schriftsteller und Filmemacher und kerkern sie ein, lassen auf den Dörfern angebliche Ehebrecherinnen steinigen, seine Geheimdienste agieren in vielen Ländern wie z.B. der Türkei  in Gestapo-Manier, verschleppen Flüchtlinge zurück in den Iran, um sie erneut der Folter zu unterwerfen oder umzubringen. Wir können getrost davon ausgehen, dass Herr Grass das alles weiß. Und seine Alterung kann doch noch nicht so weit fortgeschritten sein, um zu übersehen, dass er mit der krassen  Verharmlosung eines solchen Regimes den unter den Mullahs und ihren Helfershelfern leidenden Menschen ins Gesicht spuckt.  Was soll man also annehmen: Altersstarrsinn oder politisches Kalkül?


Aged and writing with the last drop of ink…

Nobel Prize winning writer Günter Grass has written what is rather a pamphlet than a poem. Published by the New York Times, El Pais and La Repubblica simultaneously, his latest work Was gesagt werden muss (What has to be said) is nothing more than a trivial indictment of Israel, a country Grass considers a constant threat to world peace.  The writer alleges that Israel  claims a “right to strike first” with the underlying intention of eliminating the Iranian people. He describes Israel as a nuclear power endangering a world peace which is “brittle anyway”.

With the publication of his poem a few days before Passover, Grass seems in good and long-time company, historically speaking. Since the middle ages, Jews have been accused of ritual murder immediately before Pesah in Europe. As early as 1144, the Jews of Norfolk, England, were alleged to have kidnapped, tortured and crucified an aristocratic child, William of Norwich, to celebrate Passover and mock Christian Easter holidays. Since then, accusations of ritual murder by Jews have been used to trigger off pogroms in various countries of Europe, in particular Germany. Grass only adds to this by slandering Israel to be planning a genocide.

The nobel prize winner’s attitude seems barely informed by political insight. He hasn’t  got any word to lose on Iran’s continuous threats to wipe out Israel and the Jews. In his view, Iran’s leader Ahmadinedjad isn’t a real danger to Israel but just a loudmouth. Not only because of this one-sidedness, Grass’s poem loses all literary merit. In fact it reminds the critical reader of some of the worst lyrical smears produced by aligned East German poets at the time of the GDR, with little mastery of aesthetics. And by turning Israelis from victims of a genocidal threat to its perpetrators, he commits more than just a slight political incorrectness.

Dieter Graumann, President of the Central Council of Jews in Germany, has duly reacted, criticizing the text as an “aggressive pamphlet of agitation”. “An outstanding author may be a far cry from an outstanding analyst of Near East politics”, is Graumann’s scathing summary.

Grass received the Nobel Prize for literature in 1999, when on the summit of his reputation as a writer. Since then, however, some of his publications have been called mediocre by literary critics. Perhaps he senses the reasons for this decline himself, when characterizing himself as “aged” and his writing as produced “mit letzter Tinte” (with the last drop of ink).


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