Category Archives: Publikationen

Sisyphusarbeit

Wolfgang Mattheuer Sisyphos behaut den Stein, 1973, Holzschnitt

 

 

 

Wolfgang Mattheuer: Sisyphos behaut den Stein, Holzschnitt (1973).

 

 

 

 

Die Sichtweise, mit der die alternative Öffentlichkeit in Deutschland, die doch den Anspruch hat, kritisch zu sein, auf den Gaza-Konflikt blickt, ist – gelinde gesagt – einseitig. Dagegen anzugehen, scheint mehr und mehr zur Sisyphusarbeit zu werden.

Konfrontiert mit den als Fakten vermarkteten Bildern und Zahlen über die Opfer der von Hamas heraufbeschworenen und von Israel prompt überzogenen Konfrontation, lässt das links-grün-alternative Spektrum jeglichen kritischen Denkansatz fahren. Dabei war vieles, was Hamas als Beleg für das Wüten des jüdischen Aggressors präsentierte, so fadenscheinig wie ein alter Lappen. So mussten unter anderem Fotos von syrischen Bürgerkriegstoten als Opfer der israelischen Angriffe auf Gaza herhalten. Auch Bilder der (jüdischen!) Familie Fogel, die 2011 einem palästinensischen Mordanschlag zum Opfer fiel, wurden als Dokumentationen von Gaza-Kriegsopfern recycelt. Immer wieder wurden die gleichen Video-Aufnahmen der Notaufnahme des Shifa-Krankenhauses im Fernsehen abgespult, so als seien jedes Mal neue grausige Resultate des israelischen Überfalls auf die friedfertigen Palästinenser aufgenommen worden. Darunter auch Patienten, die wegen akuter Erkrankungen, Unfällen oder häuslicher Gewalt eingeliefert worden waren. Sie alle wurden so kurzerhand zu Leidtragenden der jüdischen Barbarei.

Was besonders wundert, ist die gutgläubig-naïve Rezeption der von Hamas präsentierten Opferzahlen durch ein Publikum, das ansonsten reflexartig alles hinterfragt, was durch die Medien verbreitet wird. Die Meldungen von Dr. Ashraf al-Kudra, des Sprechers des Gesundheitsministeriums von Gaza, genossen offenbar uneingeschränktes und spontanes Vertrauen, egal was er verkündete. Seine von Zahlen untermauerten Anschuldigungen gipfelten in dem Vorwurf, Israel ziele absichtlich auf die Zivilbevölkerung und habe es insbesondere auf Alte, Frauen und Kinder abgesehen. Solche Anklagen fanden und finden reiche Resonanz in der meinungsführenden Presse, wie man mehreren Artikeln in der jüngsten Ausgabe der ZEIT entnehmen kann.

Dem gegenüber analysiert die New York Times: die „Bevölkerungsgruppe, die am ehesten die Kombattanten umfasst, männlich und zwischen 20 und 29, ist unter den Toten am stärksten betroffen. Obwohl sie nur 9 % der 1,7 Millionen Einwohner des Gaza-Streifens ausmachen, ist ihr Anteil an den Getöteten, deren Alter angegeben wurde, 34 %. […] Zugleich sind Frauen und Kinder unter 15, die auf keinen Fall legitime Ziele sein dürften, unter den Toten am stärksten unterrepräsentiert, denn sie stellen 71 % der Bevölkerung, jedoch nur 33 % der Opfer mit Altersangabe.“

Auch die BBC untersucht Hamas’ Angaben über die Kriegstoten und kommt zu dem Schluss, Vorsicht sei angesichts der Zahlenangaben vonnöten (“Caution needed with Gaza casualty figures”, BBC-online 11. August). Den britischen Kommentatoren war ebenfalls die unverhältnismäßig hohe Zahl der Männer zwischen 20 und 41 unter den angeblich zivilen Kriegsopfern aufgefallen. Der Bericht schließt mit der Einschätzung, man wisse noch nicht sicher, wie viele der Toten in Gaza Zivilisten und wie viele Kämpfer gewesen seien. Die Rückschlüsse aus den von Hamas verbreiteten Zahlenangaben seien aber jedenfalls verfrüht gewesen. (Quellen: Algemeiner, Sarah Honig’s Blog, Israel Today)

 


Gewalttätiger Angriff auf Gegendemonstranten

Am Sonntag (20.7.2014) hatten Hamas-Unterstützer zur “Demo for Palestine”  auf dem Opernplatz in Hannover aufgerufen. Gegen 16:30 versammelten sich dort “Palästinenser” und ihre Freunde mit Hamas-Fahnen und Schildern, unter anderem mit David-Sternen und Slogans, die die Realität der Shoah in Frage stellten. Am Rande des Platzes versammelten sich einige Hamas-Kritiker, die sich gegen den auf Plakaten der Demonstration geäußerten Antisemitismus wandten. In jüngster Zeit ist es in deutschen Großstädten anlässlich von Demonstrationen gegen Israel verstärkt zu antisemitischen Übergriffen und rassistischer Gewalt gekommen. In der Gruppe der Gegendemonstranten befand sich laut Mitteilung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft auch Sven-Christian Kindler, grüner Bundestagsabgeordneter und Vize-Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Wie die DIG berichtete, wurden die Gegendemonstranten im Laufe der Ereignisse von “Palästinensern” angegriffen, unter anderem von einem unbekannten Mann, der mit einem gezielten Sprungtritt ein Mitglied der Gruppe in den Rücken traf.

 Die Gesellschaft zitiert Sven-Christian Kindler zu dem Vorfall: „Ich bin schockiert. In vielen deutschen Großstädten gab es bei Demonstrationen in den letzten Wochen antisemitische Transparente und gewalttätige Übergriffe. Das habe ich leider jetzt selber erfahren müssen. Es ist völlig legitim zum Nahostkonflikt unterschiedliche Haltungen zu haben und in Demonstrationen das kund zu tun. Das ist ein zentraler Teil der Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Es ist aber völlig inakzeptabel, wenn es zu Antisemitismus und Gewalt kommt. Dieser gewalttätige Übergriff zeigt mir erneut, wie wichtig es ist, gegen Antisemitismus klar öffentlich Position zu beziehen.“

 Bildschirmfoto 2014-07-20 um 18 20 08

Gestern in Hannover um 18:20 Uhr…

 


Hast du gemordet und auch geplündert?

Massengräber bei Wolodymyr-Wolynskyi (Foto Sarah Honig's Blog)

Massengräber ermordeter Juden bei Wolodymyr-Wolynskyi (Foto: Sarah Honig’s Blog, 2014)

 

 

 

 

 

 

 

 

In der ukrainischen Stadt Wolodymyr-Wolynskyj wurden 1941/1942 nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht Tausende von Juden durch die Einsatzgruppen, unterstützt von ukrainischer Miliz und Freiwilligen, ermordet und in Gräben verscharrt. Die Erinnerung daran hindert heutige Bewohner der Stadt offenbar nicht, die Massengräber aufzugraben und nach vermuteten Wertgegenständen zu suchen.

Schon in den Jahren 2010 und 2011 wurde aus der Ukraine über versuchte Grabplünderungen berichtet. Die jüngste dieser Grabschändungen fand inmitten der ukrainischen Krise, am 20. Juni 2014, statt. Weder unter sowjetischer Herrschaft, noch in der unabhängigen Ukraine ab 1991 haben die Behörden Maßnahmen getroffen, um die nördlich von Lwiw gelegenen Gräber zu schützen oder auch nur zu markieren. In der örtlichen Überlieferung wird jedoch ihre Lage ebenso kolportiert wie die Gerüchte über angeblich mit den Ermordeten dort begrabene Reichtümer aus ihrem Besitz.

Die Grabschändungen gehören zum Bodensatz des in der Ukraine bis heute weit verbreiteten Antisemitismus. Nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums aus 2011 wurden bis dahin in der Ukraine kein einziges Mal Ermittlungen wegen Nazi-Kriegsverbrechen angestellt oder bekannten Holocaust-Tätern der Prozess gemacht. Die sowohl in der Bevölkerungsmehrheit als auch in den politischen und ökonomischen Eliten verwurzelten antisemitischen Einstellungen gehen häufig mit einer ausgeprägten Verachtung für die Gedenkstätten der Shoah einher. So plante 2009 die Kiewer Stadtverwaltung die Errichtung eines Hotels an der Stelle des Monuments für die Massaker von Babin Jar. Aufgrund internationaler Proteste wurde der Plan verworfen. Das Mahnmal war in sowjetischer Zeit errichtet worden, nachdem der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko 1961 das Gedicht Babin Jar veröffentlicht hatte, in dem er das Massaker und den offiziellen Umgang mit der Erinnerung anprangerte. (Quelle: http://sarahhonig.com/2014/07/01/badge-of-dishonor)


Claudia Koppert: Sisterhood – eine Sehnsucht

Der Lesetipp dieses Sommers

Erinnerungen an die Tage des Beginns der zweiten Frauenbewegung werden wach. Leidenschaftliche Diskussionen in Frauenzentren, phantasievolle Aktionen auf Demos, Bücher, die wir gemeinsam verschlangen, ein weiblicher Körper, den wir neu kennenlernten – Our bodies, ourselves! – und insgesamt ein Gefühl des Miteinanders, das Lebensgefühl des schwesterlichen Aufbruchs und der Solidarität unter Frauen. Von all dem handelt Claudia Kopperts neuer Roman „Sisterhood – eine Sehnsucht“.

 „Vor uns lag neues, offenes Terrain. Die alte Ordnung: wer wo hingehört, wer wie zu sein hat, hatte ausgedient. Leben als experimental journey. Uns in dieser freiheitsbedingten, freiheitsrauschbedingten Unübersichtlichkeit orientieren und halten, das stand jetzt an. … Wir hielten das ganz selbstverständlich für eine Gemeinschaftsaufgabe.

Um 1980. Privat und öffentlich gehen Frauen auf die Barrikaden, alles Mögliche treibt sie um und an, eine Zuversicht trägt sie voran: sisterhood is powerful!

Viele Jahre später. Martha ist in Auseinandersetzungen mit ihrer fünfzehnjährigen Tochter Rosa verstrickt. Das Frauenaktionszentrum gibt es schon lange nicht mehr, und aus ihrer letzten Wohngemeinschaft ist sie vor Jahren ausgezogen. Aber dann begegnen ihr unerwartet frühere Mitstreiterinnen, und alles ist wieder da: die Hochgefühle, die Konflikte, die Grundsatzfragen. Und die Liebe zu Margie, wegen der sie Rosas Vater verließ und die sich jetzt wieder bei ihr meldet.

Im Strudel des Erinnerns verändert sich Marthas Blick auf die ehemaligen Mitstreiterinnen und die politischen Differenzen. Es ist eine innere Befreiung – von überbordenden Hoffnungen, Ansprüchen, Enttäuschungen. Auch ihr Verhältnis zu Rosa entspannt sich, Martha verfolgt, wie ihre Tochter sich in ihrer Weiblichkeit ausprobiert. Und sie beginnt, ihre Geschichte für Rosa aufzuschreiben. Mit viel Sinn für Ironie, liebevollem Blick und erzählerischer Stilsicherheit lässt die Autorin die Zeit der frauenpolitischen Morgenröte lebendig werden.

Von Ferne beäugt und widerwillig begleitet wird Martha von P. A., der einst großmächtigen Pallas Athene, die im Himmel vor sich hin dämmert und für aufbegehrende Frauen eigentlich noch nie etwas übrig hatte.

Unsere Sehnsucht weder aufgeben noch festhalten, sie auch nicht gegen die Schwester wenden, sondern sie in wirkliches Leben verwandeln – wie kann das gehen? Das ist die Frage, die Claudia Koppert sich und uns stellt.

Die Autorin Claudia Koppert, 1958 in Heidelberg geboren, lebt als freie Lektorin und Autorin zwischen Bremen und Hamburg auf dem Land. Sie ist Herausgeberin von Hand aufs dekonstruierte Herz. Verständigungsversuche in Zeiten der politisch-theoretischen Selbstabschaffung von Frauen (mit Beate Selders), Ulrike Helmer Verlag 2003, sowie von Glück, Alltag und Desaster. Über die Zusammenarbeit von Frauen, Orlanda Verlag 1993.

An ihren ersten Roman Allmendpfad, erschienen 2003 im Verlag Antje Kunstmann, vergab der STERN vier von fünf Sternen und schrieb: „… Lesen! Alles andere ist Plastik“. Im Literaturforum von SWR II hieß es: „Claudia Koppert erzählt … mit Wärme, Überzeugungskraft und Kenntnisreichtum bis ins Detail. Sie macht uns nichts vor.“

Einladungen zu Lesungen nimmt die Autorin gern an.

Mehr Informationen unter www.claudiakoppert.de (die Seite wird z. Z. erneuert).

Kontakt: C.Koppert@t-online.de und Tel. 04288/92 72 04.

Claudia Kopper: Sisterhood – eine Sehnsucht, 220 Seiten, Paperback, € 14,90,

erscheint im August 2014, auch als E-Book, Eigenedition bei BoD.

ISBN 978-3-7357-2537-0

In allen Buch- und Versandbuchhandlungen.


On International Women’s Day, Five Activists Who Are Inspiring Change Around the World

On Equal Pay Day, I think it is still ok to reblog this artikel dated 8 March!

taskforceblog's avatarNational LGBTQ Task Force Blog

In 1908, 15,000 women gathered to march through New York City, demanding shorter hours, better pay, and voting rights.  More than 100 years later, women across the world are still fighting for their rights, and inspiring change every day.

1544534_589283431155303_1399127217_nAt the National Conference on LGBT Equality: Creating Change this year, we listened as thousands of those women talked about how they were making changing in their own communities.  All of their voices were inspiring, not just individually, but as a collective force.

International Women’s Day reminds us to think about the amazing work that women are doing to inspire change.  I want to share just a few stories of women that you might not have heard about.

Fernanda Milan, a Guatemalan transgender rights activist, fled her home country after being attacked by the police.  Having been granted asylum in Denmark, she continues her work for transgender rights.  In her…

View original post 458 more words


John the liar

John the liar.


John the liar

John the liar, too


Legal? Illegal? Scheißegal!

Legal Illegal Scheißegal


Einvernehmen

Einvernehmen


Antisemitismus in Europa nach wie vor virulent

Wer glaubt, dass der Antisemitismus tot ist, so tot wie fast die letzten Nazis, die diesen Planeten noch bevölkern? In der Europäischen Union erfreut er sich jedenfalls bester Gesundheit.

In Griechenland sind es vor allem Neonazis, die mit antisemitischen Aktionen in den Vordergrund treten. Friedhofsschändungen und Schmierereien an Mahnmalen sind an der Tagesordnung, ebenso das öffentliche Leugnen der Shoah. Die “Goldene Morgenröte” ist zwar inzwischen aufgrund ihrer offenen Kriminalität von der Bildfläche verschwunden, aber auch prominente Mitglieder des griechisch-orthodoxen Klerus üben sich in der Verbreitung antisemitischer Positionen.

Auch andere Länder erleben immer wieder Aufwallungen von Antisemitismus. In Ungarn hat sich die Zahl antisemitischer Zwischenfälle von 2012 auf 2013 verdoppelt. Grabschändungen, Absingen antisemitischer Lieder auf den Straßen und das Verbrennen der israelischen Flagge auf Kundgebungen sind nur die Kulisse für direkte Angriffe auf jüdische Bürgerinnen und Bürger einerseits und antisemitische Statements aus Regierungs- und Parlamentskreisen andererseits.

Vor einigen Tagen gedachten wir der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar. Einer Umfrage in Polen zufolge, die aus diesem Anlass durchgeführt wurde, glauben 63 % der Polen, dass eine “jüdische Verschwörung” zur Kontrolle der Banken und Medien weltweit erfolgreich im Gang ist. 18 % halten die Juden für verantwortlich für den Tod von Jesus von Nazareth. 13 % sind sogar immer noch von der aus dem Mittelalter stammenden Annahme überzeugt, dass Juden Rituale mit dem Blut von Christen veranstalten.

Auch die üblichen negativen Einstellungen gegenüber Israel, mit denen antisemitische Überzeugungen ihren “politisch korrekten” Ausdruck finden, fehlten nicht. 21 % der Befragten zogen die bekannte Parallele: Israel behandle die Palästinenser nicht anders als Hitler die Juden behandelt habe. 35 % äußerten die Überzeugung, Israel würde zur Durchsetzung seiner zerstörerischen Politik vor keinem Mittel haltmachen. Die repräsentative Umfrage wurde vom Warschauer Zentrum für Vorurteilsforschung vorgenommen. Der Abgeordnete Michael Pilvic trug sie jetzt dem polnischen Parlament vor.

Der Europawahlkampf sollte Anlass geben, diese Entwicklungen in Europa zu thematisieren und konzertierte Maßnahmen dagegen zu fordern. Aber zumindest in Deutschland halten sich die Parteien ziemlich zurück. Selbst bei Bündnis 90/DIE GRÜNEN blieb ein entsprechender Änderungsantrag zum Wahlprogrammentwurf bisher ohne große Resonanz.